Zeitliches

Zeitliches

ZEITLICHES

Dem Handwerker erschließen sich die Dinge durch ihre Konstitution. Er fragt sich wie die Dinge geformt wurden, welches Material, welche Technologien dabei Verwendung fanden und warum. Je nach Erfahrung und Kenntnisstand gewinnen die Dinge dadurch für ihn eine ingeniöse Transparenz, in der sich der Herstellungsprozess und auch die in ihm gebundenen Ressourcen offenbaren. In diesem Wissen begründet sich ein symmetrisches Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt, welches sich im Gebrauch fortsetzt. Das Verständnis ruft Empathie hervor, die Verschwendung, welche dann einer Rechtfertigung bedarf, begrenzen kann.
Jedoch beweisen sich Gestaltung und Herstellung nur in einem intensiven und wiederholten Gebrauch. Als gelungen kann man sie bezeichnen, wenn sogenannte Lieblingsstücke entstehen, die vom Nutzer hoch geschätzt dauerhaft gebraucht, verbraucht und auch repariert werden. Dabei handelt es sich dann um alles andere als um Konsumverzicht. In diesem permanenten, ohne moralische Zwänge ausgeübten Gebrauch offenbart sich ganz im Gegenteil ein überaus geglückter Konsum. Das Ding wird zu einem echten Begleiter. Es entfaltet sich eine Symmetrie zwischen Nutzer und Objekt.
Um die Vorgänge, die zu einer solchen Gebrauchstauglichkeit führen, besser verstehen zu können, habe ich vor einigen Jahren innerhalb meines Uniformprojekts eine Versuchsanordnung in der Zeit erdacht, die ich über mehrere Jahre verfolgte. Es handelte sich dabei um einen Bekleidungsbaukasten, in dem ich eine Minimalausstattung für mich definierte, die es mir ermöglichte, immer und überall das Gleiche zu tragen. Auf diesem Wege wollte ich herausfinden, was ich tatsächlich brauche. Denn der Charakter der Dinge enthüllt sich in der Wiederholung. Mit der Zeit tragen Wiederholung und Variation Eigenschaften zu Tage, die dem singulären Moment verschlossen bleiben. Bei einmaligem Erleben bleiben diese Eigenschaften unsichtbar, unwesentlich oder von äußeren Einflüssen überlagert.